THE MOTHER, THE SON AND
THE HOLY GHOST

(D - Schinderwies/Broken Silence)

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The Mother The Son And The Holy Ghost ist das berührendste Stück Musik, das ich seit langem gehört habe. Wie kann Musik gleichzeitig so dicht und entspannt sein? Ohne sich und dem Hörer Distanz zu gönnen übersetzt Robin van Velzen, Songwriter und kreativer Kern von The Mother The Son And The Holy Ghost, sich, seine Existenz und Lebenssituation in Musik und hat damit eine der intensivsten und direktesten Platten der letzten Zeit aufgenommen.

„Ja, die Texte sind eher persönlich“ meint van Velzen etwas lakonisch über die Stücke von The Mother The Son And The Holy Ghost. Schon der Name erzählt die Geschichte, um die es geht, ohne auch nur in die Nähe des Klischée zu kommen. Das Gleiche gilt für die Instrumentierung, es wurde alles weggelassen, was nicht gebraucht wurde. Strip away the layers of your soul, and what remains is the essence, is all we need to know singt van Velzen in “Onion” und beschreibt damit auch seine Arbeitsweise. Alles kreist um die Stimme und den Text, Robins Gitarre und Hans-Christian Fuss´ (Hidalgo, Robocop Kraus) Schlagzeugspiel. Bei einigen Stücken werden The Mother The Son And The Holy Ghost komplettiert durch Tobias Helminger (Robocop Kraus) am Bass, Betty Mugler (Hidalgo) Gesang und Chris Koch (Unmono) an der Gitarre.

Robin van Velzen begann seine musikalische Laufbahn Anfang der 90er Jahre als Sänger und Gitarrist der holländischen Noise und Jazzcore Band Megakronkel. Nach deren Ende verschlug es ihn nach Nürnberg, wo er mit Hans-Christian Fuss das Duo Bambi Davidson gründete, die, wenn auch weniger technisch als Megakronkel, weiterhin musikalische Grenzen ausloteten. Damals von Bands wie This Heat oder Don Caballero beeinflusst („Ja ich weiß, das Modernste ist das nicht. Aber Stil hat man – oder hat man eben nicht“), stellte sich für van Velzen irgendwann heraus, dass es kein Weiter mehr gibt, wenn das musikalisch Machbare ausgereizt ist. „Das war so over the top, da kannst du nicht mehr weiter, du kannst nur noch zurück gehen“.

Wie weit zurück er bei TMTSATHG gegangen ist, zeigt sich in dem traditionellen Arrangement von Stücken wie „Have you seen love“, bei dem die Stimmen von van Velzen und Betty Mugler durch ein analoges Delay gejagt werden und einen wabernden Stimmteppich bilden, der eine entrückte Ruhe erzeugt. Auf der gesamten Platte dominieren folkige und balladeske Stücke mit klassischen Songstrukturen, die dennoch von einer großen Experimentierfreude und Abenteuerlust zeugen. Diese offenbart sich jedoch weniger in ausgefallenen Arrangements als in der Herangehensweise. Inspiriert von Neil Young´s Ansatz, eine möglichst natürlich Aufnahmesituation zu erzeugen, wurde versucht, die Musik gleich im Entstehen mit nur wenigen Takes und spärlich eingesetzten Overdubs festzuhalten und im Mix so wenig wie möglich einzugreifen. So entsteht eine eigentümliche Nähe, der man sich nicht entziehen kann.

Was Engineer Christian „Wuschi“ Ebert (Missouri, Robocop Kraus) mit The Mother The Son And The Holy Ghost aufgenommen hat, erinnert in den ruhigen, folkigen Momenten vielleicht an Wilco, ist jedoch oft rauher und ungestümer. Was bei anderen Alben verstören könnte, wirkt hier kathartisch. Ein Nick Cave-hafter, lärmender Dreivierteltakt in „Distortion God“, durch das sich Robin abstrakt assoziativ lamentiert, lässt den Hörer kurz aufatmen, denn da wird Musik um der Musik willen gemacht, gespielt, experimentiert. Die Distanz tut fast gut, bevor es in einem Stück wie „Flow“ wieder ans Eingemachte geht. „Wenn der Text nicht gut ist, kann ich das Lied nicht singen,“ betont van Velzen. Das ist Musik von einem, der etwas zu erzählen hat, und wir hören gerne zu.

http://www.themotherthesonandtheholyghost.com


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